17 Feb 2010

Die südamerikanische „Rallye Dakar“ ist nun schon eine Weile vorbei. Ich habe dieses Jahr, außer den Ergebnissen im Internet, nicht viel davon mitbekommen. Leider gab es keinen wirklichen Wettbewerb mehr. Es handelte sich nach einigen Tagen nur noch um einen Zweikampf der beiden Werkspiloten Carlos Sainz und Nasser Al-Attiyah. Nach dem Ausstieg von Mitsubishi ist nur das VW-Werksteam allein übrig geblieben. Das private BMW-Team von Sven Quandt hat zwar anfangs wieder etwas aufhorchen lassen, aber leider konnte auch der mehrfache Dakar-Sieger Stéphane Peterhansel das Auto nicht ohne technische Probleme über die Distanz bringen.

Ich habe die Zeit in Florida verbracht, wo mein Haus, das ich in einer Golfanlage an einem See gebaut habe, gerade fertig geworden ist. Nach einem Jahr Bauzeit war ich jetzt voll beschäftigt mit einrichten und einziehen. Es ist sehr spannend, neue Leute und Länder kennen zu lernen.

Doch so ganz ohne Motorsport lebe ich natürlich auch in Amerika nicht. Unter anderem war ich eingeladen zum 24-Stunden-Rennen in Daytona und eine Woche später zur Nascar-Saisoneröffnung, den „Daytona 500“. Dabei hatte ich die Gelegenheit zu vielen Benzingesprächen mit amerikanischen und internationalen Top-Piloten und Teammanagern. Die Rennautos durfte ich intensiv inspizieren. Meine langjährige Freundin Lyn St. James, die selbst sehr erfolgreich Rennen in den USA gefahren ist, hat mir dabei die Türen hinter die Kulissen geöffnet, da sie wirklich jeden auf der Rennstrecke persönlich kennt. Das war natürlich super interessant. Amerikanische Rennstrecken sind sehr zuschauerfreundlich und viel großzügiger angelegt als die europäischen Kurse.

Bei beiden Events wurde die von Lyn und ihrem Team erstellte Ausstellung über erfolgreiche Frauen im Motorsport zum ersten Mal im Sport-Museum von Daytona vorgestellt. Die Ausstellung erzählt die Geschichten von Frauen im Motorsport vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis heute. Auch ich bin dort vertreten, als einzige Frau, die die Rallye Dakar in der Gesamtwertung gewinnen konnte. Das ist für mich eine große Ehre, da die Ausstellung durch die gesamten USA reisen wird. In Amerika ist die Dakar Rallye nicht sehr bekannt, aber dadurch wird sich das sicher ändern.

Von Daytona aus bin ich gleich weiter nach Kolumbien gereist, wo ich zu der Orinoquia 1000 Baja Rallye eingeladen war. Es gibt dort eine Serie von sechs Rallyes im Jahr und der Veranstalter will meine Unterstützung, um die Rallye in Zukunft internationaler zu machen. Nachdem mich erst mal alle meine Bekannten gewarnt hatten, nach Kolumbien zu reisen, muss ich sagen, dass ich extrem positiv überrascht wurde. Das Land ist voll im Kommen und die Sicherheit hat sich außergewöhnlich verbessert. Das Militär wurde dreifach aufgestockt, um das Guerilla-Problem in den Griff zu bekommen. Jetzt ist es möglich, ohne Gefahr die wunderschöne Landschaft von Kolumbien zu genießen. Die Rallye, mit einer Streckenlänge von 850 gezeiteten Kilometern und insgesamt 150 Teilnehmern, war sehr gut organisiert und führte durch die landschaftlich sehr reizvollen Berge im Hinterland von Bogota. Obwohl es noch kaum internationale Teilnehmer gibt, war die Presse-Resonanz beeindruckend. Ich habe viele Interviews für die sechs größten kolumbianischen TV Sender gegeben. Alle Tageszeitungen und auch viele Magazine berichteten über die Rallye.

Eine der Rallyes findet übrigens im Norden des Landes statt, mit viel Sand, Wüste und Dünen, wie in Afrika. Der Veranstalter hat mehr als 16.000 km ausgearbeitete Rallyestrecken, ein Riesen-Potenzial für jede Art von Off-Road-Veranstaltungen und Abenteuer. Wir haben natürlich gleich einige Pläne geschmiedet, von denen ich hoffentlich bald mehr erzählen kann.

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